Mittwoch, 9. Juni 2010

In Mashhad, religioeses Zentrum des Iran. Km 3017

Der T-online account ist hier im Iran geblockt, kann deshalb keine Emails lesen. Hoffe, dass es in Usbekistan wieder geht, oder zumindest in China. Ihr koennt es auch ueber die DUV-Adresse versuchen, die funktioniert.

Bin nun in Mashhad im Nordosten des iran.
Habe umgeplant und bin nicht an der Kueste des Kasp. Meeres entlang, sondern etwas weiter suedlich ueber Teheran, das ist touristisch interessanter. Habe mich in den Verkehrsmoloch Teheran gewagt und bin sogar relativ nervenschonend angekommen. Rausfahren war ganz entspannt (Freitag entspricht Sonntag mit wenig Verkehr.)

Weitere Planung:
10.6. Ruhetag in Mashhad
11.6. ca 190km bis Sarakhs an der Grenze zu turkmenistan.
12.6. Grenzuebertritt und weiter bis Mary
13.6. Merv und ein Stueck weiter Richtung Norden
14.6. Turkmenabat
15.6. Grenzuebertritt nach Usbekistan und weiter bis Buchara
16.6. Ruhetag Buchara
17.6. Ruhetag Buchara

Werde mit dem langen Stueck am 11.6. den durch Turkish Airlines verursachten Verzug aufgeholt haben.(ein Wartetag aufs Gepaeck in Antakya bzw. der Umweg ueber Van um das neue Zelt, Schlafsack und Isomatte aus Deutschland in Empfang zu nehmen.) Verzug deshalb, weil das Transit Visum fuer Turkmenistan exakt Einreise- und Ausreisedatum festlegt. Im Nachhinein haette ich gerne noch einen Tag in Teheran angehaengt

Wie sind die Menschen? Kannst Du mit ihnen (englisch) sprechen?
In Tuerkisch Kurdistan fand ich es sehr unangenehm, staendig wird man angehupt und nach einem geschrien und das auf sehr fordernde Weise.Wenn man anhielt und es klar war, dass ich kei Tuerkisch oder Kurdisch konnte, wurde trotzdem witer auf mich eingeschrien, wohl in der Hoffnung, dass mein Nichtverstehen auf Taubheit beruht. Englisch oder Deutsch konnte da keiner, anders als in der restlichen Tuerkei, wo man haeufig Leute trifft, die etliche Jahre in Deutschland gearbeitet haben und sich freuen ihre Deutschkenntnisse mal wieder anzubringen.
Ich finde Tuerkisch-Kurdistan sehr unterentwickelt. Die Kinder gehen wohl nicht zur Schule, denn man sieht den ganzen Tag welche, entweder an der Strasse, auf dem Feld oder beim Schafe hueten.

In Syrisch Kurdistan oder im Iran, wo auch sehr viele Kurden leben ist das anders.
In Syrien oder im Iran ist das viel dezenter und freundlicher. Man wird auch staendig angesprochen, aber viel hoeflicher. Leider kann fast niemand englisch, oder hoechstens 3-5 Worte.Von daher gestaltet sich die Kommunikation oft sehr kurz, wenn ueberhaupt.

Ich gebe ja zu, das Unvermoegen ist beiderseits, aber ich kann mir einfach keine persischen Worte merken. Mehr als 4 kann ich bisher nicht (Hallo, Aufwiedersehen, Wasser , Deutschland), obwohl ich jetzt schon 2 1/2 Wochen im Iran bin. Zwei davon sind gleich wie in Tuerkisch und zaehlen daher eigentlich nicht. Mit Tuerkisch find ich das einfacher.
Eigenlich sollten die Iraner alle Englisch in der Schule gehabt haben, zumindest die Juengeren (70% der Bevoelkerung sind unter 30).Habe aber auch zwei aeltere Iraner getroffen, die in Deutschland studiert haben und ein recht gutes deutsch sprachen.

Wie ist das Essen und wie bekommt es Dir?
Sehr einseitig, sowohl im Osten der Tuerkei, Syrien und im Iran immer nur Kebab (Spiess). Dazu gibt es dann eine aussen verkohlte Tomate, von der man erst muehsam die schwarze Schale abkratzen muss, um an das Innere zu kommen.
Bin ja schon froh, wenn es dazu Reis gibt, denn das Brot haengt mir noch mehr zum Hals heraus. Sehr guter Reis hier im Iran aus eigenem Anbau in der sehr feuchten Region am Kasp. Meer. Manchmal gibt es auch Huhn mit Reis.
Nachtisch gibt es nirgends dazu, den muss man sch selbst anderswo besorgen, z.b. Obst oder suesses Gebaeck.
Es wird auf den Maerkten oder Laeden auch anderes verkauft (Nudeln, Kartoffeln, aber in die Speisekarte der Restaurants schlaegt das nicht durch.)
So eine Portion Nudeln oder ein Stueck Fleisch waere zur Abwechslung mal nett.
Gelegentlich gibt es eine Pizza (sehr schlecht, aber mal was anderes.)
Ich hoffe da auf China.

Hatte bisher einmal Durchfall, beim Uebergang von Syrien in die Tuerkei eingefangen. War wohl etwas zu unvorsichtig, habe natuerlich alles gemacht, was man nicht sollte. Wenn man im Nachhinein wuesste, welcher der vielen Fehler es denn nun war. Nach einem Tag nur mit Cola ging es dann halbwegs.Radeln war da sehr hart, besonders weil es da recht bergig ist. Habe mich von Tankstelle zu Tankstelle gerettet und immer einen Tee mit viel Zucker geschnorrt (wegen der Energie, und um was anderes als Cola zu kriegen.)
Seither ist es okay. Bin ein klein wenig vorsichtiger, trinke aber trotzdem oft Leitungswasser, oder Wasser, das ich angeboten bekomme.

Bist Du jetzt fit und hast Dich dran gewöhnt, täglich diese Strecken zu fahren?
Ja, einigermassen, aber es wechselt. Vorgestern sehr lange geradelt (194km), gestern dann recht schlapp flache 113km, weil auch staendig leichter Gegenwind.
Heute recht locker wellige 133 km bis Mashhad. Ich mags viel lieber wellig, weil das verschiedene Muskelpartien beansprucht.
Jenseits von 150km wird es immer muehsam, schliesslich sind ja ca 40 kg Rad mit Gepaeck zu bewegen und nach so vielen Stunden wird das Sitzfleisch schon beansprucht.

Machst Du auch brav Fotos?
Ja, nur ich selber bin selten drauf, meist Landschaft oder Landschaft mit Fahrrad

Wie ist das Land und spielt das Wetter mit?
Angenehm lockere Atmosphaere hier in Mashhad, (obwohl die wichtigste religioese Stadt im Iran mit dem Schrein des Imam Reza, 20 Mio Pilger im Jahr)

Iran ist im Westen bis Teheran sehr viel gruener als erwartet, obwohl natuerlich Bewaesserung noetig ist. Hier im Osten ist es sehr trocken, zum teil Wueste. Ohne Wind unangenehm heiss, aber meist hat es Wind, nur haeufig aus der falschen Richtung, was beim Radeln sehr bremst, auch wenn er von der Seite kommt.
36 Grad im Schatten, nur ist der naechste Schatten in 50 km (so gestern).

Liegt alles sehr hoch, bin seit Tuerkei fast staendig ueber 1100 m hoch, ganz kurz (wenige km) mal knapp unter 1000 m.

Eidechsenwetter. Bisher nur ein 10 Minuten Gewitterschauer mit Hagel im Westen des Iran, sonst immer trocken und meist sonnig.

Sehe in den letzten Tagen oefters Erdmaennchen oder so was verwandtes. Sehen aus und bewegen sich so unbeholfen watschlig wie Murmeltiere, sind nur etwas kleiner und duenner.

Frei nach George Bush Jr:
Unterwegs auf der Achse des Boesen: Syrien, Iran, kurz vor Nordkorea biege ich dann rechts ab nach Shanghai.
Und es faehrt sich super auf dieser Achse. ;-)

Kommentare:

  1. Hi Jürgen, wurde ja mal Zeit, dass ein bisschen mehr Information rüber kommt. Hab schon gedacht, du hättest dich verfahren. Ich wünsche dir alles Gute auf deiner Tour.

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  2. Hi Gerd,
    ich bin ja hauptsaechlich zum Radeln hier und nicht zum Bloggen.

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